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Zeitschrift für Meditation, Kreativität und Heilung 
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   Feb/März 2012  

„… Ich wollte nur mal Deine Stimme hören …“

Eine telefonische Mitteilung, die mich in eine tiefe Krise stürzen und mein ganzes Leben verändern sollte.

„Krise ist ein aus dem Griechischen stammendes Substantiv zum altgriechischen Verb „ krinein“, welches „trennen“ und „(unter-)scheiden bedeutet…“ 

Trennung war wohl das richtige Wort, die richtige Bezeichnung für das, was mich ab dem Spätherbst 2009 erwarten sollte.

„Ich wollte nur mal Deine Stimme hören“, sagte auf meinem Anrufbeantworter die Stimme meines Mannes, von dem ich mich kurz zuvor auf einem Bahnhof verabschiedet hatte.
Sie sprach in mein Herz hinein. Ich erschrak zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit an diesem Tag, dem 25. 0ktober 2009.
Mein Mann und ich lebten getrennt und er brachte mich nach einem Klassentreffen zum Bahnhof, damit ich in mein Zuhause, das 250 km von seinem entfernt war, fahren konnte.

    



Ein persönlicher Lebensbericht von
Elisabeth Kraus

Lebensschule
Rechtsberatung-Mediation-Lebenslehre
www.leberecht.eu

  

 

Unser Abschied war intensiver und herzlicher als sonst, wir wollten gar nicht von einander lassen. Wir winkten so lange, bis wir den anderen nicht mehr sahen. Als ich zu meinem Sitzplatz ging sagte es in mir, „so siehst Du ihn nicht wieder“. Ich erschrak und augenblicklich sagte mein Verstand, „ Quatsch – warum sollst Du ihn so nicht wieder sehen“
Drei Stunden später dann dieser Anruf, der mich in eine Krise stürzen, der unser, mein Leben völlig verändern sollte.
Mein Mann war in seiner Wohnung schwer gestürzt, er hatte sich beim Essen derart verschluckt, dass er ohnmächtig wurde, stürzte und sich schwer am Rücken verletzte.
Er erzählte mir dies zitternd und völlig atemlos am Telefon. Ich bat ihn, zum Arzt zu gehen, was er nicht wollte, aber letztendlich auf intensives Bitten hin, auch durch unsere Tochter doch einen Arzt aufsuchte.
Die Diagnose nach dem Röntgenbefund war verheerend – Bronchialkarzinom!
Er musste sich verschlucken, er musste ohnmächtig werden, er musste stürzen…, um von seiner Krankheit zu erfahren…, diese Diagnose war unglaublich, wirkte er doch völlig gesund.

Ich überlegte nicht, ich handelte… und das wie eine Besessene und vergaß mich dabei völlig.
Ich konsultierte Ärzte, ließ mir Ernährungshinweise, Behandlungsmethoden usw., usf. nennen… regelte das Nötigste in meiner Kanzlei, ich arbeitete selbständig und ohne Mitarbeiterin …, fuhr die 250 km Entfernung zu ihm mit einem Taxi, um so schnell wie möglich bei ihm zu sein und begleitete ihn auf seinem Weg in die Klinik und ein Stück in der Klinik.
Ich weinte viel, heimlich, machte meinem Mann, wenn ich an seinem Bett war, Hoffnung.
Ich glaubte, mein Leben bricht zusammen, meine Basis bricht weg, mein Mann, mit dem ich trotz Trennung inniglich verbunden war, wir waren 41 Jahre verheiratet, ist unheilbar krank, wird sterben…, es widerstrebte mir, an Sterben nur zu denken, geschweige davon zu reden…
Ich hatte meinen Mann nach der Klinik zu mir geholt, um mich zu kümmern, ihn zu pflegen, ihm beizustehen, wenn er nachts im Bett neben mir Blut gehustet hat.
Ein knappes Jahr haben wir gekämpft, immer wieder Hoffnung gehabt –
Der Tod war stärker, er kam im August 2010, in einer Universitätsklinik, dennoch überraschend, denn wir hatten am Abend vorher noch Pläne geschmiedet.

Ich war starr vor Schreck, vor Trauer, vor Schuldgefühle, vor…, was weiß ich, es brach eine Welt zusammen, wenn sie auch nicht heil war, dennoch war zwischen ihm und mir immer Liebe, wir waren seit meinem 16 Lebensjahr zusammen…und das sollte jetzt ab sofort nicht mehr sein? – undenkbar für mich.
Seine Krankheit, sein Tod forderte mich in jeder Hinsicht. Ich musste unser Haus verkaufen, weil ich es allein nicht halten konnte, löste meine Rechtsanwaltskanzlei auf, verschenkte Sachen; Möbel noch und nöcher, ich zog um, in ein anderes Bundesland, dort blieb ich nur ein Jahr und zog noch einmal um.
Ich habe allein immens viel leisten müssen, ich war und bin praktisch entwurzelt, dennoch habe ich jetzt mit 61 Jahren zum dritten Mal meine Existenz aufgebaut und auch dies mit ganzer Kraft, obwohl ich nach dem Tod meines Mannes innerhalb von 9 Monaten noch drei weitere, mir sehr nahestehende Menschen verloren habe.
Aus meinem Leben sind somit innerhalb kurzer Zeit vier Menschen geschieden.
Ich bin immer noch dabei, meine Trauer zu „bearbeiten“ – heute beginnt für mich eine Kur- denn allein schaffe ich es nicht, wenn der Körper durch die viele Last, die ich im wahrsten Sinne des Wortes in den letzten beiden Jahren getragen habe, nur noch schmerzt.

Trotz meiner vielen Aktivitäten in dieser Zeit, war ich viel für mich allein, saß einfach nur so da, weinte, weinte, weinte…, klagte, beschuldigte mich…, bis das Weinen weniger wurde und ich immer näher kam und komme, einem Lichtstrahl, einem Lichtblick, der mir sagt, dass es weiter geht, eben nur anders, und das aber gewaltig, denn ich erkenne mich, erkenne was und wer ich bin, wie stark ich eigentlich bin, wie erfahren ich geworden bin, dass in mir immer mehr die Kraft, das Gefühl, die „Weisheit“ erwächst, anderen Menschen auf ihrem Lebensweg zu helfen, zu begleiten. Meine Schule war und ist mein Leben, in dem ich so viele Lebenslernfächer belegte, dass ich imstande bin, mein Wissen an die weiterzugeben, die einen Lebenslehrer brauchen wie mich.
Vor 20 Jahren, nach der Vereinigung Deutschlands habe ich mich als Rechtsanwältin selbständig gemacht. Um den Menschen noch besser helfen zu können, belegte ich noch eine Ausbildung zur Mediatorin – außergerichtliche Streitschlichtung – um dann letzten Endes noch eine Ausbildung als Lebensberaterin nach Kurt Tepperwein zu absolvieren.

Auf diesem Weg gehe ich nun schon einige Zeit, bin mal abgebogen, oder habe oft inne gehalten, um mich von all’ den schweren Lasten, die ich getragen hatte, zu erholen…, so dass ich jetzt endgültig, nach einer Erholungskur noch, gestärkt aus meiner großen Lebenskrise hervor gehe und als neuer Mensch, als Lebenslehrer meinen Weg weiter gehe, auch in Begleitung meines geliebten verstorbenen Mannes, der mir den Weg geebnet, frei gemacht hat, um jetzt von seinem Himmel aus zu beobachten, was ich daraus mache… und wenn ich dann doch mal wieder traurig bin, dann schau ich nach oben zu ihm hin und danke ihm.