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Zeitschrift für Meditation, Kreativität und Heilung 
  seit 1999 | Auflage: 17.000 | kostenlos | zweimonatl. | Vertrieb: Sachsen+Thüringen+Sachsen-Anh.+Brandenburg | Auslage & Abo  
   
   Juni/Juli 2018
   
Editorial der Printausgabe
 
   

  

Liebe Leser,
  
als Jugendliche bemerkte ich, dass ich das Gefühl Wut nicht kenne, nicht aus dem eigenen Erleben. Aus heutiger Perspektive weiß ich, dass ich dies aufgrund schwieriger Erfahrungen "abgewählt" hatte – unbewusst – und mir damit aber auch viele andere Facetten des Lebens verschlossen blieben.

Kaum jemand wird das Fehlen von Wut als ein Problem betrachten – ganz im Gegenteil. Es gilt als ein "negatives" Gefühl, was wir zu überwinden haben. Aber dies ist nur eine Seite von Wut, wie ich heute weiß. Denn Wut als solche ist in ihrem Ursprung einfach eine große Kraft. Manchmal braucht es diese Art von radikaler, schwungvoller Intensität, z.B. wenn es um Entscheidungen geht, wenn etwas ganz Neues umgesetzt werden will, um Klarheit in chaotische Situationen zu bringen oder eigene Grenzen aufzuzeigen. In anderen Situationen werden andere Arten von Energien gebraucht, die sich entsprechend in anderen Gefühlen ausdrücken. Wut als Kraft ist nur ein Teil eines großen Energiereservoirs, aus dem wir schöpfen können, um unser Leben zu gestalten.

       

Gundula Zeitz
   
  

 
 

  
"Negativ" oder "positiv" hat für mich nicht mit dem Gefühl an sich zu tun, sondern mit der Art, wie wir mit der jeweiligen Energie umgehen. Ich kann Wut destruktiv nutzen, um andere (gewollt oder ungewollt) fertig zu machen, oder konstruktiv, um ein mir wichtiges Projekt anzuschieben. Genauso wie ich Angst als Hinweis zu mehr Vorsicht und Überdenken eines Vorhabens nutzen kann oder dadurch in Starre verfalle und das Vorhaben kraftlos aufgebe.
Wieso bietet unsere Sprache nicht mehr Worte an, um dies zu differenzieren? Wieso sind wir uns dessen so wenig bewusst bzw. warum überhaupt nutzen wir die Energievielfalt oft destruktiv?

Wahrscheinlich haben wir – aufgrund vielfältiger Ursachen – einzeln und kollektiv den Zugang zu Gefühlen "verlernt", sind uns ihrer Bedeutung und dem Umgang mit ihnen wenig bewusst. Damit können wir ihr Potential als Schöpferkraft des Lebens nicht voll nutzen und agieren häufig nur emotional reaktiv. Dies fördert untereinander ein Ping-Pong-Spiel mit Gefühlsenergien, was keinem gut tut.
Klar, dass wir uns dann den Gefühlen ausgeliefert fühlen, was ein weiterer Grund ist, sie lieber zu vermeiden. Abschalten können wir Energien an sich aber nicht, höchstens unsere Wahrnehmung davon. Und so füllt sich unser Unterbewusstsein. Wenn wir unsere Wahrnehmung, also das Fühlen, abschalten, wird aber das gesamte Leben immer eintöniger. Aus eigener Erfahrung kann ich auch sagen: Es funktioniert ebenso nicht, unangenehme Gefühle abzuwählen und sich nur noch den schönen zu widmen. Vielleicht schaffen wir es, unsere Wahrnehmung eine Zeitlang entsprechend zu manipulieren, manchmal klappt das sogar sehr lange – aber irgendwann bricht dann doch unsere innere Sehnsucht nach echtem Leben durch. Denn wirkliche Freude, innerer Frieden und all das, wonach wir uns sehnen, liegt noch jenseits der emotionalen Wellen des Lebens. Und diese Dimension wird nur zugänglich, wenn die Energien der Gefühle frei fließen können.

Die Entdeckungsreise ins Fühlen lohnt sich! Ich wünsche Ihnen dafür viele Anregungen und Unterstützung durch diese Ausgabe.

  
Mit herzlichen Grüßen
Gundula Zeitz

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